Zu viel Konkurrenz im E-Commerce verhindert Wachstum

Ich habe letzte Woche in meinem Artikel, in dem ich für die Verbesserung der Bestandskundenansprache plädiert habe (Mehr Wertschätzung für Bestandskunden), behauptet, dass statt dem eigenen Unternehmen meist nur die Anzahl der Konkurrenten wächst. Kurz darauf wurde ich auf eine iBusiness Studie vom Februar dieses Jahres aufmerksam gemacht. Die Zahlen sind noch beeindruckender als ich zunächst angenommen habe – in negativer Hinsicht allerdings. Fakt ist, es gibt zu viele Online Shops und sie machen zu wenig Umsatz und zu wenig Gewinn. Ein Problem, das auch beim nächsten E-Commerce Forum am 8. September zum Thema Controlling diskutiert werden soll.

Die Konzentration des Onlinehandels steigt

546.293 Online Shops in Deutschland. Diese Zahl haben die Macher der iBusiness Studie „Shop-Gewinne in Deutschland: Das ECommerce-Prekariat im Longlong-Tail“ errechnet. 11 Prozent aller deutschen Unternehmen betreiben auf ihrer Webseite einen Online Shop. Hinzukommen alle Händler, die auf Marktplätzen aktiv sind. Und dabei wurden nur diejenigen Onlinehändler, denen man eine „ökonomische Gewinnabsicht unterstellen kann“ gerechnet. Es gibt also noch einige mehr.

Ja, der E-Commerce wächst zwar weiterhin, aber die Konzentration des Onlinehandels schreitet voran. Soll heißen, dass eigentlich nur die Big Player profitieren. Gut ein Viertel, 12,4 Mrd. Euro, des Umsatzes wurde 2015 durch die Top 10 der deutschen Händler erwirtschaftet. Tendenz steigend. Die Top 1000 teilt sich 70 Prozent des Gesamtumsatzes. Jeder kann sich ausrechnen, was für die restlichen 545.293 übrig bleibt. Quasi nichts! Damit kommt die Studie auf einen durchschnittlichen Verdienst für deutsche Onlinehändler von 1.288 Euro – pro Jahr…

Das Märchen vom Wachstum

Schaut man sich an, wie sehr die Großen immer mehr vom Umsatzvolumen der Kleineren abgreifen (im Vergleich zu 2010 haben die Top 10 damals „nur“ 21 Prozent des Gesamtumsatzes ausgemacht), dann zeigt ich, das E-Commerce definitiv nicht der heilige Gral ist und sich individuelles Wachstum in den allermeisten Fällen als Märchen entpuppt. Die Tatsache, dass kaum Umsatz und Gewinn erwirtschaftet wird, überrascht mich nicht, da viel zu viel Geld für teure Neukundenakquise in den Sand gesetzt wird, das man besser in seine bestehenden Kunden investiert hätte, um sich deren Treue zu sichern. Ein Faktor, den sich vor allem die großen Player ganz oben auf die Agenda geschrieben haben. Amazon Prime ist dabei wohl eine der einfachsten und genialsten Erfindungen im E-Commerce überhaupt. André Morys von Web Arts meinte beim letzten E-Commerce Forum, dass Amazon Prime wie ein All-You-Can-Eat-Buffet sei. Und dem kann man nur beipflichten: Man zahlt eine Pauschale und hinterher versucht man das Angebot so oft wie möglich zu nutzen, sich quasi den Bauch vollzuschlagen. Und Amazon freut´s! Besser kann man seine Kunden wohl nicht binden.

Fazit

Das Potenzial, das vorhanden ist, wird in den meisten Fällen verschenkt, da die Prioritäten falsch verteilt sind. Die Zahlen belegen das eindrucksvoll. Auf Wachstum durch Neukunden sollte man besser nicht ausschließlich setzen. Daher kann man nur jedem Händler empfehlen, sich intensiver auf seinen Kundenstamm zu fokussieren und damit nicht zu lange zu warten. Es gilt, so schnell wie möglich eine Strategie auszuarbeiten und diese auch schnell umzusetzen. Ziele können und sollten in Etappen erreicht werden. Man sollte nicht zu lange warten, bis man alle Maßnahmen auf einmal ausrollt. Die Erfahrung zeigt, dass ein solches Unterfangen oft zu lange dauert. Dann könnte es bereits zu spät sein!

(Bildquelle: Ollyy/Shutterstock)

Ralf Theis
Ralf Theis
Ralf Theis ist PR & Marketing Manager bei der Flagbit GmbH & Co. KG. Als studierter Germanist kümmert er sich um das Content Marketing, die Öffentlichkeitsarbeit sowie Social Media bei Flagbit und ist Organisator des E-Commerce Forums Karlsruhe. Er beschäftigt sich intensiv mit aktuellen E-Commerce Trends sowie innovativen Shopkonzepten und bloggt regelmäßig auf e-commerce-forum.de.
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