Zalandos Kooperation mit dem stationären Handel

Zalando will mit stationärem Handel kooperieren

Bisher ist es nur ein Testlauf, der aber bald größere Dimensionen annehmen könnte:  Zalando holt sich das Modegeschäft Bodycheck im Berliner Shopping-Zentrum Alexa mit ins Boot und testet zum ersten Mal die Kooperation mit einem stationären Geschäft. Es wäre ein weiterer Schritt in der Transformation vom einfachen Mode Online Shop zur mächtigen Internetplattform, die Händler, Marken und Kunden miteinander vernetzt. Das bedeutet natürlich eine Chance auf mehr Umsatz für die kleinen Händler, aber auf der anderen Seite eine größere Abhängigkeit. Spannend wird die Frage sein, ob die Händler sich darauf einlassen werden.

Dezentralisierung der Zalando Lagerfläche

Nähe zum Kunden lautet das Zauberwort. Diese Strategie verfolgt Zalando schon seit längerem und treibt die Dezentralisierung seiner Lagerstätten konsequent voran. Kunden sollen so einfach und bequem wie möglich einkaufen und ihre Waren erhalten. Daher testet Zalando seit September 2015 den Same-Day-Delivery-Service in Berlin und Köln und mittlerweile auch in zehn Städten im Ruhrgebiet. Nun setzt Zalando auch seinen Fuß in den Offlinehandel und möchte diese Kundennähe noch weiter intensivieren. Wie man letzte Woche verlauten ließ, gibt es nun die erste Kooperation mit einem stationären Laden. Bodycheck heißt das Modegeschäft und ist im Alexa Shopping-Zentrum am Alexanderplatz in Berlin ansässig. Die gemeinsame Zusammenarbeit soll natürlich Vorteile für beide Seiten haben. Zalando erweitert damit nicht nur seine Kontaktpunkte in den Offlinehandel, was wiederum mehr Kundendaten und bessere Personalisierungsmöglichkeiten erlaubt, sondern integriert damit auch die innerstädtischen Lagerflächen in sein Logistiknetzwerk. Kunden aus dem Umkreis von Bodycheck könnten damit noch viel schneller und direkt von Bodycheck beliefert werden.

Digitale Transformation für kleine Modehändler?

bodycheck

Screenshot bodycheck-shop.de

Bodycheck besitzt zwar bereits einen Online Shop, doch wage ich es zu bezweifeln, dass sich dieses kleine Portal auch in Zukunft im E-Commerce erfolgreich halten kann. Vor allem als Anbieter von typischen Marken wie Nike oder Adidas etc. gibt es da wohl wenig Hoffnung. Und sich nur auf die stationäre Kundschaft zu fokussieren, wäre schlichtweg fahrlässig. Die Kooperation mit dem Online-Riesen verspricht da natürlich eine enorme Chance auf eine viel größere Reichweite und gesteigerte Umsätze. Im Gegenzug profitiert Zalando wiederum von den Vermittlungsgebühren, was für kleine Einzelhändler allerdings deutlich billiger werden sollte, als einen eigenen Online Shop zu launchen, diesen stetig zu aktualisieren und für das Online Marketing zu sorgen. Andererseits besteht die Gefahr einer zu starken Abhängigkeit von der Plattform. Jochen Krisch sieht den stationären Handel da eher noch als Erfüllungsgehilfen für den Modegiganten und hält eine Marktpositionierung über den Zalando Fashion Store für die Händler für ein schwieriges Unterfangen (Welche Modehändler docken als erstes an Zalando an?).

Wo geht die Reise hin?

Es ist vorerst nur ein erster Test und es bleibt abzuwarten, wie es sich weiterentwickeln wird. Klar ist aber auch, dass die kleinen Händler neue Strategien entwickeln müssen, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Online-Marktplätze sind dafür wohl oft die bessere Alternative als der eigene Online Shop, doch könnte die Unterordnung unter Zalando in Zukunft ganz eigene Problematiken hervorbringen, wenn es beispielsweise um die Preisgestaltung etc. gehen wird. Für Marken dürfte das Angebot von Zalando dagegen mit weniger Risiko verbunden sein als für Händler. Diese sollen in Zukunft ihre eigenen Internet-Auftritte auf Zalando gestalten können und dadurch von dem enormen Datensatz an Kundeninformationen, den Zalando mittlerweile generiert hat, profitieren. Wie gesagt, es ist zunächst nur ein Test mit dem stationären Handel, aber es zeigt durchaus, wo die Reise für Zalando hingehen soll. Man möchte in Sachen Mode anscheinend überall seine Finger im Spiel haben.

(Bildquelle: Itsra Sanprasert/Shutterstock)

Ralf Theis
Ralf Theis
Ralf Theis ist PR & Marketing Manager bei der Flagbit GmbH & Co. KG. Als studierter Germanist kümmert er sich um das Content Marketing, die Öffentlichkeitsarbeit sowie Social Media bei Flagbit und ist Organisator des E-Commerce Forums Karlsruhe. Er beschäftigt sich intensiv mit aktuellen E-Commerce Trends sowie innovativen Shopkonzepten und bloggt regelmäßig auf e-commerce-forum.de.

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