Shopping bei Bugaboo.com als Innovationsbeispiel

Weg vom 08/15 Shop – Bugaboo zeigt, was Innovation heißt

Der E-Commerce wächst! Keine neue Meldung, aber immer wieder erwähnenswert. Mit einer Fülle an unzähligen Online Shops haben die Verbraucher schon lange die Qual der Wahl, bei welchem Händler sie bestellen möchten. Der Einfachheit halber tun das viele dann aber bei Amazon, weil Sie dort wissen, was sie erwartet. Wie sollen kleinere Shops da mithalten? Ein Weg ist neben exklusiven Produkten auch ein exklusives Design zu verwenden sowie auf innovatives Content Marketing zu setzen. Keine lieblose Aneinanderreihung von Produkten, sondern das einzelne Produkt viel intensiver zu inszenieren, dessen Geschichte zu erzählen und den Besucher nicht mit zu vielen Informationen auf einmal zu überfordern, wäre ein guter Anfang. Der Kinderwagenhersteller Bugaboo zeigt mit seinem Online Shop, wie das funktionieren kann. Einfachheit und Kundenzentriertheit prägen Design und Content.

Keine Slider, keine aufleuchtenden Sales, wenig Text, aber dafür ein Bild mit einem aussagekräftigen und dynamischen Motiv – wer die Startseite von www.bugaboo.com öffnet, erkennt sofort, dass man sich hier nicht in einem 08/15 Online Shop befindet. Die Exklusivität des Produkts, des innovativen Kinderwagens, wird durch das außergewöhnliche Design des Shops fortgesetzt. Produkt und Shop sind einfach optimal aufeinander abgestimmt. Bugaboo ist ein ausgezeichnetes Beispiel, das sich Shopbetreiber zum Vorbild nehmen können, und das hat mehrere Gründe.

Weg mit den Content Slider!

startseite

Die Startseite von Bugaboo

Das übliche Bild auf der Startseite der meisten Online Shops: Ein automatischer Slider wechselt im Sekundentakt die Inhalte der Webseite. Kaum hat das Auge den Inhalt einer Slide erfasst, rauscht schon eine neue heran. Es hat sich mittlerweile gezeigt, dass sich solche Content Slider negativ auf die Conversion Rate auswirken, denn wenn der Inhalt des Sliders nicht interessiert, dann ist er unnötig, und wenn er interessiert, dann wechselt das Bild und der Inhalt wird dem Betrachter quasi abrupt entrissen. Also am besten zweimal überlegen, ob man einen Slider braucht (siehe auch Über Sinn und Unsinn des Sliders). Dynamik bekommt man auch auf eine sinnvollere Art und Weise auf die Website, wie Bugaboo eindrucksvoll beweist. Nahezu alle Bilder, die sich auf dem Shop finden, zeigen Menschen mit dem Kinderwagen in Bewegung. Väter beim Joggen, Mütter beim Überqueren einer Straße. Bewegung im Alltag eben. Hier hat man sich die Mühe gemacht und die Inhalte mit den Bildern abgestimmt. Eine Faustregel lautet, dass der Besucher die wichtigsten Inhalte der Seite innerhalb von maximal vier Sekunden erfasst haben sollte, da er ansonsten schnell wieder abspringt. Die Bugaboo-Story beginnt auf der Startseite mit einer klaren Botschaft: Eine Familie beim Joggen, die ihren Junior im Kinderwagen vor sich herschiebt, als Hintergrundbild und im Vordergrund die einfache Hauptnavigation, die keine Zweifel mehr lässt, dass es sich hier um exklusive und sportliche Kinderwägen handelt.

Klare Strukturen, effektives Storytelling

Zugegeben, das Produktportfolio von Bugaboo beinhaltet keine abertausend Artikel. Da ist es natürlich einfacher, sich auf die wenigen Produkte zu fokussieren. Bugoboo zeigt aber, worauf es im Onlinehandel 2016 zunehmend ankommt: effektives Storytelling mit starkem Kundenfokus.

Bugaboo

So funktioniert Bugaboo: Einfach auf das Bild klicken!

Öffnet man die Produktdetailseiten, dann findet man eben keine ellenlangen Textwüsten oder lieblos zusammengestellte Produktbilder vor. Stattdessen fühlt man sich beim Kinderwagenkauf wie beim Kauf eines Autos. Die Kinderwägen werden wie Sportwägen auf einer 360°-Drehscheibe präsentiert, mit welcher der User den exakten Ansichtswinkel selbst einstellen kann. Bugaboo ruft damit den User zur Interaktion mit der Plattform und dem Produkt auf. Man wird nicht mit Informationen bombardiert, stattdessen kann man mit dem Kinderwagen erst einmal „herumspielen“.

Die klare Struktur des Shops in Kombination mit der Story sorgt für eine einfache aber sehr funktionale Usability. Die Besucher werden nicht überfordert, sondern aufgefordert, selbst aktiv zu werden. Dafür benutzt Bugaboo nicht nur die 360°-Drehscheibe, sondern verwendet das sogenannte Scrollytelling. Man scrollt sich nach unten und erfährt Stückweise, was das Produkt alles zu bieten hat. Das hat zwei verkaufspsychologische Vorteile: Zum einen muss der Besucher aktiv werden, wobei er immer tiefer in die Story des Produkts und in den Shop geführt wird. Mit jedem Klick und mit jeder kleinen Interaktion wird dabei beim Konsumenten ein Commitment erzeugt und es fällt ihm zunehmend schwerer, den Shop wieder zu verlassen, weil er sich bei längerer Nutzung mehr und mehr verpflichtet fühlt, eine Gegenleistung zu erbringen.

Bugaboo nimmt den Kunden im Mittelpunkt

Aussagekräftige Produktbilder mit  Fokus auf dem Familienalltag und das fortschrittliche Design des Kinderwagens sowie kurze Anleitungsvideos und prägnante Produkttexte erzeugen bei Bugaboo eine klare und einfache User Experience. Hinzu kommt ein Produktkonfigurator, der den Eindruck verstärkt, dass man sich hier nicht einfach „nur“ beim Kauf eines Kinderwagens befindet, sondern beim Erwerb eines Lifestyleprodukts. Der Aufbau des Konfigurators dürfte vor allem den Spieltrieb bei männlichen Besuchern ansprechen. Man könnte sich so auch vorstellen, einen Ferrari zu konfigurieren. Die Botschaft ist eindeutig: Kinderwägen sind sexy!

konfigurator2

Produktkonfigurator mit Zubehörfunktion

Die wichtigste Erkenntnis ist aber folgende: Der Shop geht auf die Bedürfnisse der Kunden ein! Das Produkt ist nicht nur individuell konfigurierbar, was die Farbe und den Aufbau angeht. Auch die Accessoires sind in den Konfigurator eingebunden und lassen sich dank einer Produktleiste an der linken Seite schnell in die Gesamtdarstellung auf der Drehscheibe einbetten. Als Kunde brauche ich mir dann nicht mehr nur vorzustellen, wie die einzelnen Teile zusammenpassen, sondern kann sie direkt in der Kombination betrachten.

Fazit

Die Frage, die ich zu Beginn gestellt habe, lautete, wie man sich als kleiner oder mittelgroßer Online Shop gegen die großen Player behaupten kann. Eine Antwort könnte lauten, ein überzeugendes Produkt anzubieten, auf ein einzigartiges Content Marketing mit Customer Engagement zu setzen und eine funktionale und unkomplizierte Usability bereitzustellen. Wie es der Online Shop von Bugaboo eben macht und damit seine USPs deutlich herausstellt. Hier ist nicht nur das Produkt sondern auch der Shop so attraktiv gestaltet, dass man sich gerne verweilt, die Funktionen ausprobiert und man sich schnell von einem Kauf überzeugen lassen kann. Dieser starke Kundenfokus findet sich durchgehend im Shop wieder. Nur mit einer solchen Ausrichtung wird man in Zukunft im E-Commerce auch erfolgreich bestehen können!

(Titelbildquelle: igorstevanovic/Shutterstock)

Ralf Theis
Ralf Theis
Ralf Theis ist PR & Marketing Manager bei der Flagbit GmbH & Co. KG. Als studierter Germanist kümmert er sich um das Content Marketing, die Öffentlichkeitsarbeit sowie Social Media bei Flagbit und ist Organisator des E-Commerce Forums Karlsruhe. Er beschäftigt sich intensiv mit aktuellen E-Commerce Trends sowie innovativen Shopkonzepten und bloggt regelmäßig auf e-commerce-forum.de.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihr Kommentar*

Name*
Website

Unser Artikel hat Ihnen gefallen?

Mit dem E-Commerce Forum Newsletter erhalten Sie die aktuellsten Beiträge direkt in Ihr Postfach.

Weitere Beiträge zum Thema
Online zum Weihnachtsbaum – Wir machen den Test
Amazon Pantry vs. Lidl Vorratsbox: Wer ist besser?
21. Flagbit E-Commerce Forum: Mobile Commerce
Engelbert Strauss verbindet Online Shop und Kataloggeschäft