Shoe Guru als Beispiel für optimalen Produktfokus

Ein Schuhregal im Online Shop

Shoeguru ist ein kanadischer Online Shop und ein sehr gutes Beispiel für radikalen Produktfokus und die Reduktion auf das Wesentliche. Die Idee ist dabei ganz simpel und verlangt wohl gerade deswegen Mut zur Umsetzung: die Schuhe werden von Shoeguru einfach wie in einem Schuhregal eines Schuhgeschäfts in der Innenstadt präsentiert und inszeniert. Der Kunde wird damit nicht mit einer Informationsflut überfordert, sondern kann die Artikel bequem und schnell miteinander vergleichen. Für die Reihe „Innovative Shopkonzepte“  habe ich mir den Shop etwas genauer angeschaut und festgestellt, dass es eigentlich gar nicht so viel zum Anschauen gibt.

Shoeguru

Startseite von Shoeguru

Ein roter Schuh. Viel mehr sieht man eigentlich nicht, wenn man www.shopshoeguru.com öffnet. Damit setzt die Startseite schon ein klares Statement passend zum Namen des Online Shops: Hier geht es um Schuhe! Und dafür wird nicht irgendein Produktbild verwendet. Stattdessen erzeugen der Farbverlauf im Hintergrund und die Darstellung der Schatten eine Tiefe im Raum, wodurch der Schuh viel plastischer wirkt und sehr ansprechend präsentiert wird. Das Design mag manchem zu minimalistisch anmuten, sorgt aber für eine klare Struktur im Shop und setzt den Akzent auf den wichtigsten Punkt: eben dem Schuh an sich. Dagegen hätte die Menüleiste etwas prominenter dargestellt werden können, denn nur über sie gelange ich zum eigentlich Shop. Auffallend ist dagegen der Hinweis auf die Versandkosten, die direkt über dem Menü in roter Farbe platziert wurden und welche die Bedingungen von Beginn an transparent kommunizieren.

Shoeguru nutzt Gewohntes aus dem Offlinehandel

shoeguru

Die Produktübersicht

Klickt man auf den Shop, dann öffnet sich das bereits erwähnte Schuhregal und keine gewöhnliche Aneinanderreihung von Produkten, wie man das aus so vielen Shops bereits gewohnt ist. Die Artikel sind stattdessen auf kleinen Podesten platziert und nur mit den wichtigsten Informationen ausgestattet, nämlich Preis und Name des Produkts. Mehr braucht es zunächst auch nicht. Mit dem „Schuhregal“ setzt Shoeguru auf einen Anblick, den eigentlich fast alle Verbraucher kennen sollten und der sich über viele Jahre im stationären Handel beim Verkauf bewährt hat. Da frage ich mich des Öfteren, warum Onlineshopbetreiber nicht viel häufiger auf den Erfahrungsschatz des Offlinehandels zurückgreifen, schließlich gibt es diesen schon bedeutend länger. Shoeguru macht es vor, und beweist, wie man diese Erfahrungswerte im Onlinehandel umsetzen kann und das hat vor allem in diesem konkreten Fall einen bedeutenden Vorteil.

Kognitive Einfachheit entlastet das Gehirn

shoeguru

Produktdetailseite

Ich habe in mehreren Artikeln bereits darauf hingewiesen, dass Einfachheit vom menschlichen Gehirn belohnt wird. Informationen, die gut strukturiert und somit schnell aufzunehmen sind, ersparen uns einen größeren Energieaufwand. Wenn ich als Kunde auf dem Shop von Shoeguru unterwegs bin, werde ich nicht mit Informationen überhäuft. Die verschiedenen Schuhmodelle sind alle in der gleichen Perspektive dargestellt, was es mir leicht macht, die Artikel miteinander zu vergleichen. Und auch wenn ich auf eine Produktdetailseite weiterklicke, setzt sich dieses gewohnte Bild konsequent fort. Wieder erscheint das Schuhmodell in der gleichen Perspektive nur in einer größeren Ansicht. Möchte ich mehr Produktbilder anschauen, dann kann ich ein Overlay öffnen, durch das ich mich durchklicken kann.

Ansonsten zieht kein anderes Element meine Aufmerksamkeit vom Produkt weg und das muss man sich vor Augen halten: Besucher kommen in erster Linie nicht auf den Shop, um sich Gütesiegel etc. anzuschauen. Diese sind wichtige Bestandteile, das steht außer Frage, nur dürfen diese nicht den Fokus vom Produkt nehmen. Das macht Shoeguru meiner Meinung nach sehr ordentlich, wobei man Siegel und Kundenbewertungen beispielsweise im ganzen Shop vergeblich sucht. Die hätte man sicher auch clever in das Layout einfügen können. Was wiederum äußerst durchdacht ist, sind die leeren Regalplätze mit den „Sold“-Aufstellern. Hier zeigt sich nicht nur Liebe zum Detail bei der Imitation des physischen Schuhregals, sondern es verstärkt auch den Eindruck, dass es sich hier um extrem beliebte Produkte handelt, die man sich selbst auch schnell zulegen sollte, bevor der Vorrat aufgebraucht ist.

Abschließend…

Mach es einfach! Natürlich haben wir es hier mit einem sehr kleinen Sortiment zu tun, sonst könnte man den Shop nicht derart radikal minimalistisch gestalten. Keine Suchfunktion, eine Navigation, die sich farblich nur wenig abhebt, keine Trustsiegel oder Kundenbewertungen etc. Das widerspricht eigentlich dem, was der Kunde in einem Online Shop gewohnt ist vorzufinden. Aber es ist gerade die Simplizität und kreative Produktinszenierung analog zu einem gewohnten Umfeld der Verbraucher, welche zum Kauf motivieren und die teilweise dürftige Usability kompensieren. Shoeguru ist ein extremes Konzept mit einigen Unzulänglichkeiten, aber dennoch ein schönes Beispiel für Kreativität und den Mut, auch unkonventionelle Wege zu gehen. Das soll keine Aufforderung an Shopbetreiber sein, dies blind zu imitieren. Ein solches Konzept könnte auch nur bedingt skalieren. Vielmehr sehe ich darin eine Inspirationsquelle, aus der man einige Ideen und Denkanstöße ableiten kann, wie man es schafft, sich Alleinstellungsmerkmale für seinen Online Shop zu erarbeiten.

(Titelbildquelle: Adisa/Shutterstock)

 

Ralf Theis
Ralf Theis
Ralf Theis ist PR & Marketing Manager bei der Flagbit GmbH & Co. KG. Als studierter Germanist kümmert er sich um das Content Marketing, die Öffentlichkeitsarbeit sowie Social Media bei Flagbit und ist Organisator des E-Commerce Forums Karlsruhe. Er beschäftigt sich intensiv mit aktuellen E-Commerce Trends sowie innovativen Shopkonzepten und bloggt regelmäßig auf e-commerce-forum.de.

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