„Mit VR werden wir nicht mehr verkaufen, aber deutlich hochwertiger!“ – #ecommka über VR und AR

Wir stehen erst ganz am Anfang einer Entwicklung, die laut den #ecommka-Experten vom 1. Juni sehr schnell zu einem Massenmarkt werden wird. In Zukunft wird es ganz selbstverständlich sein, dass wir damit ein viel intensiveres Lernen erfahren, wenn wir beispielsweise die Erde aus der Sicht eines Astronauten erleben können oder uns durch den menschlichen Körper bewegen können, um die komplexen Vorgänge besser verstehen zu können. Und auch die Art des Shoppings wird sich verändern.

Snapchat, Pokemon Go und die VR Spieleindustrie haben in den letzten Jahren bereits den Grundstein für die Verbreitung der VR- und AR-Technologie für einen Massenmarkt gelegt. In dieser Hinsicht wird einiges in den nächsten Jahren auf uns zukommen und die Art des Erlebens von Inhalten verändern, denn wir müssen mit VR beispielsweise nicht mehr ein Medium interpretieren, sondern unser Gehirn wird selbst zum Medium und die Erfahrung unmittelbarer und direkter als zuvor. So werden Schulungen und Workshops sowohl zeit- und ortsunabhängig als auch kosteneffizienter.

Ausbau des VR Ökosystems

Dabei sprechen wir laut Oliver Wöhler (HTC Vive) erst seit einem Jahr von VR, wie wir es aktuell erleben. Was in acht Jahren möglich sein wird, kann man sich gar nicht ausmalen. Denn es tut sich gewaltig was. So zum Beispiel bei HTC Vive, die das Ökosystem VR immer flächendeckender und mit verschiedenen Maßnahmen ausbauen. Nicht nur, dass sie den Viveport (sozusagen der APP-Store von HTC) auch für andere Hersteller öffnen werden. Vor allem durch die neue Tracker-Technologie, mit der es keine Controller mehr braucht, können reale Gegenstände in das VR Ökosystem aufgenommen werden. Und mithilfe des Trackers und einem Smartphone können auch Außenstehende am eigenen VR Erlebnis teilhaben und in die Anwendung geholt werden, was HTC Social Sidekicks nennt.

Zudem wird es dieses Jahr auch die Vive ohne Kabel geben, sodass die neuen Geräteeigenschaften dazu beitragen sollen, die VR-Brille nicht nur erschwinglich zu machen, sondern die leichtere Handhabung auch weitere Barrieren beseitigen sollte. Was den Einsatz von VR im Handel betrifft, waren sich Oliver Wöhler und Christian Schmidt (World of VR) einig:

„Mit VR werden wir nicht mehr verkaufen, aber deutlich hochwertiger!“

Messbare Zahlen gibt es da anscheinend schon bei Audi, bei denen man sein Auto virtuell durchkonfigurieren kann, was dazu beiträgt, dass die Fahrzeuge mit deutlich mehr Extras und Features ausgestattet werden, also teurer verkauft werden als ohne VR. Und gerade hier könnte es sich auch im E-Commerce lohnen, denn schauen wir beispielsweise auf Zalando, dann liegt dort die Retourenquote bei rund 50%, was einen enormen Kostenfaktor darstellt, und die man laut Schmidt mit VR Maßnahmen senken könnte, indem man vorher die Produkte virtuell präsentiert. Amazon und Alibaba haben bereits ihre Teams, die an diesem Thema arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit ist als durchaus gegeben, dass die Technologie damit auch bald Einzug in den E-Commerce hält. Die anderen Anbieter könnten da fast schon wieder ins Hintertreffen geraten.

Virtual Reality wäre „nur“ eine zweite Darstellungsebene auf dem Shop

Dabei wäre ein VR-Online Shop gerade als Darstellungsebene auf dem eigentlichen Shop möglich, wie Christian Schmidt erklärt, sodass beide Ansichten möglich wären, um sowohl VR-Brillen Shopper als auch den „normalen“ User ansprechen zu können. Schaut man sich die letzten 100 Jahre Technologiegeschichte an, dann stellt man fest, dass die Innovationszyklen immer kürzer werden. Es wird wohl sehr wahrscheinlich sein, dass AR und VR in nur wenigen Jahren zum Massenmedium werden und dementsprechend auch die Forderung nach VR-Shops aufkommen wird. Es besteht jetzt noch die Chance sich frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen.


„Pokemon Go ist kein echtes AR“

Wie brandheiß das Thema Augmented Reality ist, hat vor wenigen Tagen die Apple Keynote gezeigt. Apple gibt Entwicklern jetzt im ersten Schritt die Werkzeuge an die Hand, um AR Apps für iPhone und iPad entwickeln zu können. Und durch ein Update auf iOS 11 im Herbst werden Millionen Apple-Kunden ein AR-fähiges Betriebssystem auf ihre Devices laden können. Ein gewaltiges Potenzial, was in Sachen AR freigesetzt wird. Umso besser, dass wir uns beim #ecommka auch diesem Thema gewidmet haben und mit Tobias Fandrich einen AR Experten eingeladen hatten.

„Pokemon Go ist kein AR“ lautete sein etwas provokanter Vortragstitel. Zwar habe das Spiel viel Vorarbeit für die Verbreitung von AR geleistet, aber laut Definition von R. Azuma wäre es kein echte Augmented Reality, da nicht alle Eigenschaften erfüllt sind. Zu diesen Eigenschaften zählen die Kombination aus virtueller und realer Welt, die Interaktivität in Echtzeit sowie der 3-dimensionale Bezug zwischen realen und virtuellen Objekten und dieser letzte Punkt ist bei Pokemon Go nicht gegeben. Nichtsdestotrotz hat es erheblich dazu beigetragen, dass sich die Verbraucher mit AR auseinandergesetzt haben.

Herausforderung E-Commerce und AR

AR im E-Commerce steht ebenso wie VR noch recht weit am Anfang. IKEA hatte 2013 bereits eine AR-Anwendung auf dem Markt gebracht, um Möbel im Raum ausrichten zu können. Der Vorteil von IKEA war dabei, dass sie ihre Produkte selbst herstellen und somit auch die 3D-Daten haben. Diese haben eben nicht alle Händler und damit stellt das bisher eine große Einstiegshürde in Sachen E-Commerce dar. Wirklich lohnenswert und ohne größeren Aufwand ist AR eben nur für Hersteller oder für Händler mit wenigen hochwertigen Produkten. Denn zu viele Produktvarianten bringen einfach zu viel Aufwand mit sich. Es fehlt hier einfach noch die nötige Infrastruktur. 

Der Durchbruch steht unmittelbar bevor

Eine weitere Herausforderung im E-Commerce besteht außerdem darin, dass die Verbraucher, um AR zu nutzen, sich erst die jeweilige App herunterladen müssen, was oft auch noch eine Hemmschwelle darstellt. Aber das wird sich bald ändern. Um hier nochmal auf Apple zu sprechen zu kommen – mit dem neuen Betriebssystem wird es möglich sein, AR direkt im Webbrowser und mit einem Marker im Raum anwenden zu können. Außerdem wird im Herbst das neue iPhone 8 auf den Markt kommen, das wohl mit einer Tiefenkamera ausgestattet sein wird, die den Raum scannen kann. Damit dürfte laut Fandrich die echte Augmented Reality in einem halben Jahr in der breiten Masse ankommen. 

Zum Abschluss…

Zukunftstrends im E-Commerce gehören ja mittlerweile zum Standard und gerade das Thema VR / AR findet sich in zahlreichen dieser Prognosen. Wir dachten uns, bevor wir nur darüber schreiben, machen wir ein Event dazu und holen uns die Experten aus diesem Bereich dazu, damit wir fundierte Einblicke in dieses Thema erhalten. Daher danke an die Speaker und Aussteller von UReality, World of VR, Esspe Studios und HTC Vive. Es war wieder ein hochspannendes und gut besuchtes Forum. Dieses Mal sehr anschaulich und mit viel Interaktion dank der verschiedenen Devices, die wir vor Ort hatten. Ein besonderer Dank gilt auch unserem Sponsor Ingenico, mit dem wir zusammen das Forum möglich gemacht haben.

Bis zum nächsten Forum!

Ralf Theis
Ralf Theis
Ralf Theis ist PR & Marketing Manager bei der Flagbit GmbH & Co. KG. Als studierter Germanist kümmert er sich um das Content Marketing, die Öffentlichkeitsarbeit sowie Social Media bei Flagbit und ist Organisator des E-Commerce Forums Karlsruhe. Er beschäftigt sich intensiv mit aktuellen E-Commerce Trends sowie innovativen Shopkonzepten und bloggt regelmäßig auf e-commerce-forum.de.

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